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Schwandorf (Mittelbayerische Zeitung - 10.03.2020)
Alexandra Stiglmeier hat mit ihrem Mann dieRollen getauscht. Jetzt ist „Er“ daheim, erledigt nebenbei „das bisschen Haushalt“ und hat genügend Zeit zum Telefonieren, Spazierengehen und Kaffeetrinken. „Sie“ dagegen schuftet in der Arbeit und verdient das Geld. Die Szenerie gilt aber nur am Internationalen Frauentag.
Schubladendenken und Seitenhiebe müssen sein, wenn der auszehn Partnern bestehende Veranstalterkreis den Weltfrauentag ausrichtet. Den kulturellen Teil bestrittam Sonntag im voll besetzten Saalder Fronberger Brauereiwirtschaft die Kabarettisten Alexandra Stiglmeier aus dem oberbayerischen Peiting. Sie schildert den „ganz normalen Familienwahnsinn“, erzählt vom „schnarchenden Ehemann, der die ganze Nacht Holzsägt“.
Bei der Erschaffung des Manneshabe der liebe Gott wohl „einen Billigbausatz aus dem Baumarkt“ genommen. Nach langem Experimentieren könne er immerhin schonzwei Dinge gleichzeitig tun: „Zähneputzen und gleichzeitig den Spiegelvoll spritzen“. Wenn sie ihre „Strickerfrauen“ zu Hause empfängt, schlüpft die Schauspielerin in verschiedene Rollen, wechselt die Dialekte und bedient die üblichen Klischees.
Die Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt, Dorothea Seitz-Dobler, kennt die Schwierigkeiten, mit denen Frauen zu kämpfen haben, wenn sie nachder Familienzeit wieder in den Beruf zurückkehren wollen. Vielen bleibe nur der „Minijob im Niedriglohnsektor mit dem Risiko der Altersarmut“. Seitz-Dobler weist aufdie Lohnlücken bei Männern und Frauen und die einseitige Belastungder Frauen in der Familien-, Erziehungs- und Pflegearbeit hin. Die Beauftragte für Chancengleichheit appellierte an die Eltern, ihre Töchter zu bestärken, einen Beruf „außerhalb des Mainstreams“ zu ergreifen. Berufe, „die besser bezahlt sind und mehr Aufstiegsmöglichkeiten bieten“.
Die Sprecherin des Veranstalterkreises, Helga Forster, machte aufdie Schieflage auf politischer Ebeneaufmerksam. Obwohl über die Hälfte der Landkreisbevölkerung weiblich sei, liege der Frauenanteil imKreistag nur bei 31,6 und in denStädten und Gemeinden bei 14,6Prozent. Nur zwölf Prozent der Frauen seien Bürgermeister. DGB-Regionssekretärin Katja Ertl sagt jenen Rechtspopulistenden Kampf an, „die mit ihren rück-ständigen Familienvorstellungen die Frauen wieder in enge Schranken weisen wollen“. Sie tritt für „eine vielfältige, offene und demokratische Gesellschaft“ ein.
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